Die Wüste und die Oasen
Nur wenige Oasen erlauben in der Wüste menschliches Leben, fast alle liegen entlang einer unterirdischen Wasserader, die sich vom Sudan in einem Bogen bis zum Mittelmeer zieht. Eine Wüstenstraße, die in Giza beginnt, verbindet die Oasen heute miteinander und endet nach 1200 km in Assiut wieder am Nil. In den Oasen befindet man sich in einer anderen Welt, endlose Palmenhaine, warme Quellen, mittelalterliche Dörfer und Wüste, die alles umgibt. Die Bewohner mit ihren Eselskarren sind markante Blickpunkte und das Leben scheint wie um Jahrhunderte zurückgedreht. Schon die Pharaonen erholten sich in den Oasen vom hektischen Leben im Niltal.
Jede Oase hat ihren eigenen Reiz: Das sehenswerte Grab des Banentiu in der Oase Bahrija ist eines der wenigen historischen Zeugnisse aus der pharaonischen Zeit. Im Schatten der ausgedehnten Palmenhaine bestellen Bauern Obst- und Gemüsegärten.
Die Oase Farafra liegt in einer großen Senke und ist an drei Seiten von einem bis zu 240 m hohen Steilabfall umgeben. Unterhalb der in Trümmern liegenden Burg liegen Palmenhaine am Rande des einzigen Oasenortes. Die Bewohner leben in brüchigen Lehmhäusern.
Die Oase Dachla ist wegen des 300 bis 400 m hohen rosaroten Felsabbruchs bekannt. Deshalb wird sie auch "Rosa Oase" genannt.
Das alte Dorf El-Kasr mit seinen engen Gassen ist sehr malerisch. Der Besuch in der Töpferei am Ortsrand und der Aufstieg zum etwas klapprigen Minarett der westlichen Moschee sind sehr lohnend. Auch eine große Tempelruine Deir El Hagar aus römischer Zeitund ein ethnographisches Museum sind zu finden.
In Bashandi sind Relikte römischer Gräber zu besichtigen. Im Nachbardorf Ain Asil wird derzeit der angebliche Hauptort Dachlas aus der Zeit des Alten Reichs ausgegraben.
Charga ist die Oase mit der längsten nachweisbaren Vergangenheit. Der gut erhaltene, vom Perserkönig Dareius I. erbaute Hibistempel und die frühchristliche Nekropole El Bagawat mit 263 Kuppelgräber sind unübersehbar am Rande des Hauptorts.Die Wüste selbst besteht nicht nur aus den bekannten Sanddünen. Der größte Teil der Wüste in Ägypten ist Steinwüste. Aber gerade diese Natur hat eine interessante Ausstrahlung. So auch die Schwarze Wüste und die Weiße Wüste. Hier hat die Erosion phantastische Kunstwerke geschaffen. Die gesamte Umgebung ist mit Kalksteingebilden übersät, in denen auch phantasielose Leute die tollsten Märchengestalten entdecken können. Unvergeßliche Erlebnisse sind vor allem Vollmondnächte. Die fahl vom Mondschein beleuchteten Kalksteinmonumente, die ihre Schatten auf gletschergleichen Untergrund werfen, scheinen zu einem überdimensionalen Theaterspiel anzutreten, dessen Akteure zwar langsam, aber stetig Position und Aussehen ändern.