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"Deutsche folgen ihrem Ziel wie Wasser dem Flussbett"
Böblingen - "Made in Germany" liest man überall in Ägypten. Zwischen Deutschland und Ägypten bestehen viele geschäftliche Kontakte. Aber von der jeweils anderen Kultur wissen die Menschen nur wenig. Das wollen Ahmed und Yahia Dawood ändern und haben deshalb zum ersten Mal Ihr Heimatland Ägypten verlassen.
(von Betttina Kropiwoda)
Der Kontakt von Böblingen nach Kairo entstand über den YALLA-Verein. Zwölf junge Menschen aus dem Kreis Böblingen haben im vergangenen Sommer in einem Heim in Kairo geistig und körperlich Behinderte betreut. Ahmed und Yahia sind die Söhne der Heimleiterin. Bei Problemen und als Reiseleiter standen sie den Gästen aus Deutschland immer zur Verfügung. "Morgans haben wir zusammen gearbeitet und nachmittags habe ich ihnen gemeinsam mit meinen ägyptischen Freunden Kairo gezeigt", erzählt der 25-jährige Ahmed.
Für ihre Arbeit in Ägypten haben sich Ahmed und Yahia auch einige Anregungen mitgenommen. "So eine Einrichtung wie das Waldheim würden wir gerne in Ägypten haben", sagt Ahmed. Aber er ist sich dessen bewusst, dass "wir dafür noch viel arbeiten müssen."
"Während des Aufenthalts in Kairo ist es auch hin und wieder zu Missverständnissen gekommen", berichtet Johannes Söhner, Jugendreferent im Evangelischen Jugendwerk. Auch deshalb habe man sich entschlossen, Ahmed und Yahia nach Deutschland einzuladen. "Sie sollten sehen, wie Jugendarbeit bei uns aussieht."
Dabei war der Weg nach Böblingen nicht leicht. Johannes Söhner hatte Ahmed und Yahia eine Einladung nach Deutschland geschickt, damit sie bei den ägyptischen Behörden ein Visum beantragen konnten. Doch diese Einladung war den Behörden nicht offiziell genug. "Die wollten alle möglichen Papiere von vielen unterschiedlichen Stellen haben", erzählt Ahmed. Aber Johannes Söhner gab nicht auf. Er wandte sich an die Stadt Stuttgart, die mit Kairo eine Partnerschaft hat. "Und auf einmal war alles kein Problem mehr", sagt Söhner. Ahmed fährt fort: "Mit dem offiziellen Schreiben aus Stuttgart hatten wir in kurzer Zeit unsere Visa in der Hand."
Während ihres zwölftägigen Aufenthaltes ist den beiden Besuchern ein wesentlicher Unterschied zwischen Deutschen und Ägyptern aufgefallen: "Die Deutschen sind wie ein Fluss", sagt Ahmed. "Sie folgen ihrem Ziel wie das Wasser dem Flussbett." Ihr Deutschen habt einen viel strengeren Tagesablauf", ergänzt Yahia. "Wenn ich keine Lust mehr auf den Mathematikuntericht habe, dann gehe ich einfach. In Deutschland gibt es so etwas nicht."
Am stärksten beeindruckt hat die beiden Ägypter, wie ruhig und grün es auf den Strassen in Deutschland ist. "In Kairo rasen unzählige Autos an dir vorbei. Ständig wird gehupt und geschrien", schilderte Yahia das Strassenchaos in Kairo. Und Johannes Söhner fügt hinzu: "In Deutschland brauchen wir Events, damit endlich mal was passiert. In Kairo ist das nicht nötig. Da ist es bereits ein Erlebnis, auf der Strasse zu fahren."
Aber nicht nur positive Eindrücke nehmen Yahia und Ahmed mit nach Ägypten. Als sie an einem Abend eine Disko besuchen wollten, liess man sie nicht rein. Ohne Ausweis keinen Einlass. Söhner berichtet, dass ihre deutschen Begleiter das Gefühl hatten, dass Ausländer einfach nicht erwünscht waren.
Der Kontakt zu Kairo wirkt sich inzwischen auch auf die Jugendarbeit in Böblingen aus. "Wasserpfeifen sind derzeit der grosse Renner", sagt Söhner. Und um das Flair aus Kairo nach Böblingen zu bringen, ist eine Kleinkunstshow im Waldheim geplant, die unter dem Motto "1001 Nacht" stehen wird. "Die Zusammenarbeit wächst", bestätigt auch Mechthild Söhner vom YALLA-Verein. Würdet ihr wieder nach Deutschland kommen? "Jederzeit. Die Menschen hier sind so nett - besonders die Frauen", lachen Ahmed und Yahia. Am Samstag ging es zurück in ihre Heimat. Mit dem grossen Ziel, die Grundlage für eine Freundschaft zwischen den Menschen aus Deutschland und Ägypten zu schaffen, sind die beiden nach Deutschland gekommen. Einen kleinen, aber wichtigen Schritt in diese Richtung haben sie gemacht.