Die Nähschule in Moytamadea
Moytamadea kurz vor 10 Uhr: Frauen und Mädchen im Alter zwischen 6 und 50 Jahren streben auf das letzte Haus in der Straße "Mari Girgis" zu. Hier in diesem Haus ist die Nähschule sowie die Nähwerkstatt des Selbsthilfeprojektes von Schwester Maria. Eine Gruppe von Mädchen und Frauen trifft sich dort, um Fertigkeiten im Nähen, Schneidern, Sticken und Stricken zu erlernen oder um bereits Erlerntes an andere weiter zu geben. Fünf Ägypterinnen aus dem Müllviertel, die schon seit Jahren mit Schwester Maria zusammenarbeiten sind hier Respektspersonen und Lehrerinnen zugleich. Viele der Schülerinnen setzen das Erlernte bereits um und nähen sich eigene Kleider, stricken eigene Pullover oder sticken kunstvoll gestaltete Bilder.
Moytamadea gegen 12.30 Uhr: der Unterricht ist offiziell beendet, aber die Räume der Nähschule und der Nähwerkstatt können weiterhin zu allen Zeiten Des Tages genutzt werden. Nur freitags und sonntags, an den jeweiligen Wochenfeiertagen der in Moytamadea vertretenen Religionen, Islam und Christentum, bleiben diese Einrichtungen geschlossen. An den übrigen Tagen steht sie allen Mädchen und Frauen aus dem Müllviertel zur Verfügung.
Die Nähschule war der Ausgangspunkt für das Projekt Schwester Marias und eine erste Umsetzung des Leitmotivs: "Hilfe zur Selbsthilfe". Diese Schule bietet Frauen und Mädchen, die eine andere Schule oft nicht Besuchen durften eine gewisse Ausbildung. Die Entfaltung der eigenen Persönlichkeit soll unterstützt und ein größeres Selbstwertgefühl gefördert werden. Die verschiedenen Fertigkeiten können an andere weitergegeben werden.
Die Möglichkeit, einen Beruf zu ergreifen oder im Projekt mitzuarbeiten, wachsen. Den Beitrag, den die Frauen dadurch zum Lebensunterhalt leisten, läßt ihr Ansehen in der Familie steigen. Die genähten Produkte sowie die kunstvoll gearbeiteten Stickbilder finden auch außerhalb Ägyptens ihre Abnehmer. Darüber hinaus ist die Nähschule natürlich ein wichtiger Treffpunkt zum Austausch der kleinen und großen Ereignisse im Leben der hier lebenden Frauen.