Mokkatam - das Müllviertel unterhalb der Mohamed Ali Moschee
Müllstädte gibt es in Ägypten seit Ende der 40er Jahre. Im feudalen System waren die Landlosen Bauern der Willkür der Großgrundbesitzer ausgeliefert. Viele Bauern verließen aufgrund von Missernten ihre Heimat in den südlichen Provinzen wie Assiut und strömten in die Großstädte, um dort ihr Glück zu suchen. Da Arbeitsplätze knapp waren, wurden die „Landflüchtigen" immer mehr in den Bereich des Müllsammelns abgedrängt..
Die steigende Bevölkerungsdichte in den Siedlungen ermöglichte zwar keinen Anbau von Obst und Gemüse mehr, die großen Anteile an Essensabfällen in den reicheren Haushalten war jedoch ideal für die Schweinehaltung. Den Muslims war das aus religiösen Gründen untersagt, so dass dieser Erwerbszweig hauptsächlich den Kopten überlassen wurde. Die Männer und Kinder machen sich gegen 3.00 Uhr morgens mit Eselskarren oder Pritschenwagen auf den Weg zu ihren Bezirken und sammeln dort Müll ein. Die Rückkehr erfolgt um die Mittagszeit. Das Abladen und Sortieren der Abfälle nach Papier, Plastik, Kleidung, Glas, Dosen und Essensabfällen ist die Aufgabe der Frauen und Mädchen, ebenso das Versorgen der Tiere. Die Ansammlung von organischen Abfällen, das Halten von Tieren und das Fehlen von Latrinen in den meisten Haushalten verwandelte viele Straßen in einen schwarzen, widerlich stinkenden und hygienisch äußerst bedenklichen Morast. Noch 1982 dienten die Straßen und Schweineställe den Müllmenschen als einziger Ersatz für Latrinen.
Die Gebühr, die von den einzelnen Haushalten für die „Müllabfuhr" bezahlt wird, geht an einen Mittelsmann, der die Sammelrouten festlegt und Konzessionen vergibt.Diese Mittelsmänner kamen in den 20er/30er Jahren aus den Oasen nach Kairo und werden Waahi (Oasenbewohner) genannt. Der Hauptgrund für das Interesse der Waahi am Müll war der Profit, der aus dem Verkauf von wieder verwertbarem Papier erzielt werden konnte.