Das Gesundheitswesen und soziale Absicherung
Seit 1952 wurden große Anstrengungen unternommen, um die Gesundheit der Bevölkerung zu verbessern. Die Lebenserwartung stieg seitdem stark an, und die Kindersterblichkeit wurde deutlich verringert.
Das Gesundheitsministerium stellt eine kostenfreie medizinische Basisversorgung für die Bevölkerung zur Verfügung, insbesondere durch den Betrieb von Gesundheitszentren im ganzen Land. Neben Allgemeinkrankenhäusern werden vom Staat auch Spezial- und Zahnkliniken betrieben. Allerdings ist die Versorgung in den staatseigenen Zentren und Kliniken oft mangelhaft, besonders aufgrund fehlender technischer Ausstattung und zu geringem Personalbestand.
Die soziale Absicherung ist sehr gering. Seit den 60er Jahren gibt es ein staatliches Programm zur Altersvorsorge, kombiniert mit Arbeitslosigkeit, Arbeitsunfähigkeit. Allerdings nahm 1990 nur etwa die Hälfte der arbeitenden Bevölkerung daran teil.
Das öffentliche Schulsystem besteht aus einer fünfjährigen obligatorischen Grundschule, einer dreijährigen Vorbereitungsschule und einer dreijährigen Sekundarschule, die mit dem Abitur abschließt. Außerdem besteht die Möglichkeit, eine Berufsschule (Agrar-, Handels- oder Technikschule zu besuchen). Die Zulassung zu einer der 15 Universitäten setzt ein gutes Abschließen im Zentralabitur voraus. Neben den Universitäten gibt es eine Reihe von Fachoberschulen.
Trotz Schulpflicht liegt die Analphabetenquote bei den über 15jährigen bei 51 %. Viele Kinder aus ärmeren Familien werden nicht eingeschult, da das Einkommen für den Kauf von Büchern und Schulkleidung nicht ausreicht. Oft sind die Familien darüber hinaus auf das Einkommen ihrer Kinder angewiesen.
Auch wenn in den letzten Jahrzehnten der Ausbau des Schulsystems mit großen Anstrengungen vorangetrieben wurde, war es nicht möglich mit dem Bevölkerungswachstum Schritt zu halten. In Ägypten müssten jährlich über 500 neue Schulen (d. h. drei Schulen in zwei Tagen) eingerichtet werden, um den bereits in den 70er Jahren erreichten Einschulungsgrad von 80 % der Kinder weiterhin zu halten.
Subventionierung der Grundnahrungsmittel
Der Anstieg der Inflationsrate auf 25 bis 30 % beeinträchtigte den Lebensstandard der Masse der kleineren und mittleren Einkommensbezieher. Insbesondere im Staatsdienst sind die Gehälter so niedrig, dass viele auf eine Zweit- oder Drittarbeit angewiesen sind, um das Existenzminimum für ihre Familie zu sichern. Allerdings subventioniert der Staat Grundnahrungsmittel und andere Güter des Massenkonsums mit fast zwei Milliarden Pfund pro Jahr. Dies entspricht etwa den jährlichen Einnahmen aus den Suezkanalgebühren. Dafür kostet das unentbehrliche Fladenbrot dann auch nur 2 bis 5 Piaster (1 bis 3 Pfennig). Ohne die subventionierten Lebensmittel könnten viele Männer ihre Familie nicht ernähren.
Mit dem Ziel, das hohe Haushaltsdefizit zu vermindern, hat der Internationale Währungsfond (IWF) während der Umschuldungsverhandlungen von der ägyptischen Regierung wiederholt einschneidende Kürzungen bei den Nahrungsmittelsubventionen gefordert. Aber die Verantwortlichen halten dem entgegen, dass ein Ausgleich zwischen ökonomischen und sozialen Notwendigkeiten gefunden werden muss, der den sozialen Frieden nicht gefährdet.