Aus dem Urmeer wuchs plötzlich ein herrlicher Hügel empor, auf dem ein Ei lag. Aus diesem ging der gro'e Gott Amun hervor, der zunächst eine Ordnung schuf und über Licht und Dunkelheit gebot. Dann ließ er die Erde sich mit Göttern und Menschen, Tieren und Lebewesen bevölkern.
Der Nil prägt das Leben Ägyptens schon seit Jahrtausenden. Die alten Ägypter stellten sich die Erschaffung der Welt
ähnlich vor wie das unbegreifbare Ereignis, das sich alljährlich vor ihren Augen abspielte: Mitte Juni begann der Nil zu steigen und überschwemmte das gesunde Fruchtland bis schließlich nur noch die Dörfer wie kleine Inseln aus dem Wasser ragten. Wenn allmählich die Felder wieder aus den Fluten traten, konnte die Aussaat beginnen.
Der Rhythmus des Nils und die umgebende Wüste zwangen die Menschen dazu Bewässerung, Feldarbeit und Vorratshaltung zu organisieren. Auf diese Weise wurde die Grundlage für eine der ältesten Hochkulturen der Menschheit geschaffen. Man nimmt an, daß im Niltal schon seit etwa 5000 v. Chr. Landwirtschaft betrieben wurde.
1902 wurde von den Briten der damals größte Staudamm fertiggestellt, der als großartige technische Leistung galt. Die Nutzfläche wurde um mehr als 1/10 vergrößert, jedoch fehlte fortan die Düngung durch den Nilschlamm. Der von der damaligen UdSSR erbaute neue Staudamm sollte die Wasser- und Stromversorgung der nunmehr auf rund 50 Mio angewachsenen Bevölkerung sicherstellen.
Inzwischen spürt Ägypten die negativen Aspekte des Staudammes: Die Nubier verloren ihre heute größtenteils überschwemmte Heimat und dadurch auch ihre Identität. Die riesige Oberfläche des 500 km langen Stausees führt zu wesentlichen klimatischen Veränderungen und zu einem Anstieg des Grundwasserspiegels bis weit in den Norden des Landes, der zahlreiche Monumente bedroht.